Mond-Christbäume? Was das ist?

Die Faszination der Mond-Christbäume

Die Faszination der Mond-Christbäume
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Die Pflanzenfee behauptet es. Die Oberösterreichischen Nachrichten auch. Und sogar GQ, das Männermagazin – das Männermagazin für Style und Anspruch, glaubt es zu wissen. Mond-Christbäume halten länger, verlieren keine Nadeln und sehen auch einige Tage nach Heiligabend noch immer recht repräsentabel aus. Mond-Christbäume? Was das ist?

Mond-Christbäume: Brauchtum in Tirol

Sagen wir einmal so. Faszinierende Bräuche, mystische Traditionen und althergebrachtes, heilvolles und nützliches Wissen rund um Mutter Natur haben nicht nur fremde Kulturen, die Ureinwohner aus Australien, Südamerika oder Asien. Nein, all das gibt es auch bei uns. Früher, so wurde mir erzählt, war es normal, dass die Bauern in diversen Gegenden Tirols, wie in Tux-Finkenberg, den Bauernkalender gelesen und auch geglaubt haben. In Vollmondnächten, kurz davor oder kurz danach, je nach Region und Überlieferung, sind dann die Männer von den Höfen aufgebrochen und in Richtung Wald gegangen.

Wenn die Männer in den Wald gehen

Ein Mond-Christbaum wird drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres geschlagen

Ein Mond-Christbaum wird drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres geschlagen

Dunkel war es, manchmal nebelverhangen, manchmal sternenklar. Aber immer, ausnahmslos immer, lag etwas Magisches in der Luft. Ihr Ziel, Mond-Christbäume schlagen. Ein Mond-Christbaum wird nach überliefertem Volkswissen drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres, also meist im November, selten im Dezember geschlagen. Diesen Bäumen werden besondere Kräfte zugesprochen. Vor allem aber sollen sie ihre Nadeln erst spät oder gar nicht verlieren. Mond-Christbäume werden auch heute noch geschlagen und verkauft. Die Nachfrage nach den Bäumen mit dem Mondstempel am Stamm steigt.

Lang haltbare Christbäume

Mond-Christbäume halten länger in der Stube

Mond-Christbäume halten länger in der Stube

Der Grund: Früher war es normal, den Weihnachtsbaum bis Maria Lichtmess, also bis zum 2. Februar, bis zum vierzigsten Tag nach Weihnachten, in den Stuben und Wohnzimmern stehen zu lassen. Dieser Brauch war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Doch heute lebt dieser Brauch wieder auf. Viele Tiroler Familien, vor allem im traditionsreichen und traditionsbewussten Zillertal, in der Gegend von Tux-Finkenberg, entdecken dieses Brauchtum neu. Nur gut, dass es hier in der Region noch viele Menschen gibt, die um die Mond-Christbäume bescheid wissen.

Altes Wissen in Tux-Finkenberg

(A)Lois Mader ist einer von ihnen. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Mond und mit Sternzeichen. Um das Wissen über die Mond-Christbäume und den perfekten Schlag-Zeitpunkt herauszufinden, hat er mit Christbaum-Züchtern und Förstern gesprochen. Dieses Wissen wiederum hat er mit seinem über Sternzeichen verschmolzen. Im Gespräch erzählt er mir, dass Mond-Christbäume, die in diesem Jahr rund um den Supervollmond von vor wenigen Tagen geschlagen wurden, besonders gut haltbar wären. Die Tage nach dem Vollmond standen im Zeichen des Krebses, besonders günstig für den Erhalt von Nadeln am Baum.

Besondere Empfehlung

Mond-Christbaum: Tannen halten deutlich länger als Fichten

Tannen halten deutlich länger als Fichten

Besonders empfehlenswert als Mond-Christbäume sind übrigens Tannen. Sie halten deutlich länger, als ihre Weihnachtsbaum-Kollegen, die Fichten. Fichten, die zum richtigen Zeitpunkt geschlagen werden, geben auch wunderschöne Bäume ab, doch bis zum Heiligabend sollten sie dringend kühl gelagert werden. Wer noch mehr über das uralte Wissen der Mond-Christbäume wissen will, dem sei dringend ein Besuch im hintersten Zillertal, in der Region Tux-Finkenberg empfohlen. Einfach mal durch die Dörfer wandern, mit den Alten sprechen und Faszinierendes erfahren.